|
This article was published in the Spring 2009 volume of RotweissRot, the journal of the Auslandsösterreicher.
LIESL MÜLLER-JOHNSON
Mehrere Reisen nach Wien in den letzten 18 Monaten führten mich auf die Suche nach vergangenen Zeiten. Über die Jahre hinweg hatte ich mich mehr
und mehr als Fremde in dieser schönen Stadt gefühlt.
Aber ich war doch ein Wiener Kind – und so galt es, die Stadt wieder zu entdecken und mich selbst auf meine Herkunft zu besinnen:
Hier bin ich geboren und eng mit der Theatergeschichte Wiens verbunden.
Meine Mutter war die bekannte und beliebte Soubrette Rosl Berndt, die Shirley Temple ihrer Zeit. Sie wurde als großes Nachwuchstalent von dem bekannten Komponisten und Kabarett-Künstler Hermann Leopoldi in der Tanzschule Singer entdeckt. Im Carl-Theater erfolgte ihr Bühnendebut – mit 9 Jahren – im Rastelbinder, Lehar’s volkstümlicher Erst-Operette , Während des 1. Weltkriegs sang sie im Alter von 13 Jahren vor dem österreichischen Kaiser Carl in den letzten Stunden der Monarchie.
Als bekannte Soubrette und Kabarett-Künstlerin heiratete sie meinen Vater,
Karl Müller, dem in den frühen zwanziger Jahren das legendäre “Kabarett Simpl” in Wien gehörte, das auch heute noch floriert.
Bei einem so starken Theater-Hintergrund schien die Bühne für mich die erste
Berufswahl. Ich zeigte frühes Talent als ich, zweijährig, der Obhut meiner
Großmutter entwich und auf die Bühne des Simpl kletterte, um ein Gesang- und
Tanzsolo vorzutragen. Meine Darbietung war ein großer Erfolg, - jedoch nicht
bei meiner Großmutter!
Aber ich schlug das Bühnenfach nicht ein – studierte moderne Fremdsprachen –
spreche sechs fließend – heiratete Tom, zu der Zeit Offizier der Royal Air Force in der Kontroll-Kommission in Romänien (mein Stiefvater war Romäne) später Wein-Importeur und Autor mehrerer Bücher, - und wurde Elizabeth Johnson in Hampshire, England. Ich hätte ein beschauliches Leben als glückliche Hausfrau und Mutter führen können……
Statt dessen gründete ich die vom British Council anerkannte Organisation, die meinen Namen trägt – die EJO (Elizabeth Johnson Organisation) – und die über die Jahre hinweg mehr als 250,000 jungen Menschen aus aller Welt Sprachkurse und Studienaufenthalte in England ermöglicht hat, darunter auch Schülern aus Österreich durch meine enge Zusammenarbeit mit der Ö.K.I.S.T.A.
1970 wurde ich Mitglied der Föderation Internationaler Jugendreise-
organisationen (FIYTO) und fünf Jahr später wählte man mich zum Vize-
Präsidenten. Bei den internationalen FIYTO Konferenzen, die jährlich stattfanden, wurde ich von den Teilnehmern jedesmal stürmisch aufgefordert zu singen.
Als Liesl Müller Johnson hat mein Leben eine ganz andere Richtung
eingeschlagen, und ich widme mich meiner Musik.
Ich singe Wienerlieder, internationale Chansons – english, französich,
italienisch, romänisch – habe mehrere CDs herausgebracht, und ich sang
in Wien, London und Rome. In Wien trat ich unter anderen im International Theatre und auch im Wiener Theaterkeller auf. In Rom sang ich in dem herrlichen Palast des Kulturforums der österreichischen Botschaft. Ich freue
mich , dem ”Save the Children Fund” und anderen Wohltätigkeitsverbänden durch Konzerte viel helfen zu können.
Die Dualität meines Lebens veranlasste Heinz Janisch vom Radio ORF
mir eins seiner Programme MENSCHENBILDER zu widmen, und er kam
eigens nach England, um mich zu interviewen. Dieses Programm beschreibt
Menschen, die in den mittleren Jahren ihres Lebens eine zweite, ganz andere Karriere mit Erfolg gemeistert haben.
|